Was ist denn bitte...

eine IoT-Plattform

Plattform
bezeichnet in der Informatik eine einheitliche Grundlage, auf der Anwendungsprogramme ausgeführt und entwickelt werden können

Das Zentrums eines Sterns

Verteilte Systeme und ihre Anwender können aus technischen Gründen nicht direkt miteinander in Kontakt treten. Daher sind Knotenpunkte erforderlich, die den Informationsfluss kontrollieren und Daten verarbeiten und persistieren. Da sich alle beteiligten Komponenten mit diesem Knotenpunkt verbinden, ergibt sich bildlich dargestellt ein großer Stern mit der Plattform als Zentrum.

Unabhängig von der Anwendung, die man in seinem Projekt realisieren möchte, gibt es viele Funktionen, die immer wieder benötigt werden. Eine IoT-Plattform bietet für diese Funktionalitäten vorgefertigte Bausteine an.

Die laut Presse über 500 am Markt angebotenen IoT-Plattformen unterscheiden sich drastisch bezüglich der angebotenen Funktionen, ihrer Voreingenommenheit, ihres Betriebskonzepts und ihres Preises.

Noch verwirrender ist die Tatsache, dass bei Plattform als Service keine IoT-Plattform gemeint ist, sondern die vergleichbare Betrachtung für allgemeine Computer-Technologie. Darüber hinaus werden immer wieder Portale und Software als Service Lösungen, die nur entfernt mit Digitalisierung zu tun haben, mit dem IoT-Portal-Schildchen versehen. Das können Verwaltungsportale für SIM-Karten, Virtual-private-Network (VPN) Systeme oder Systeme zur Gerätekonfiguration oder -überwachung sein.

Funktionen

Aufgrund des sehr offenen Begriffsverständnisses von IoT ist es nicht möglich, einen festen Anforderungskatalog für die Funktionen einer IoT-Plattform zu erstellen.

Jeder Anbieter legt hier unterschiedliche Prioritäten auf die Themenbereiche, die im Internet of Things anzutreffen sind. Einige legen besonderen Wert auf die Geräteverwaltung, andere auf das Webinterface für die Benutzer, wieder andere stellen die einfache Konfiguration in den Vordergrund.

Bei der Informationsflut, mit der Anbieter einen Interessenten überschütten, ist es oft schwer zu ermitteln, ob ein Angebot die eigenen Anforderungen vollständig abdeckt. Wenn zum Beispiel für die Auswertung von eigenen Berechnungen oder anderer Anwendungslogik ein weiteres IT-System angemietet werden muss, erschwert das die Vergleichbarkeit der Anbieter bezüglich Preis und Leistung!

Voreingenommenheit

Natürlich ist jeder Anbieter bestrebt, dem Kunden die bestmögliche Lösung zu bieten. Da es aber nicht den IoT-Standart gibt, obwohl sich schon viele daran versucht haben, sind die Lösungen von der Fokussierung und Interpretation der Anforderungen des Anbieters beeinflusst - voreingenommen.

Bei der Auswahl einer IoT-Plattform für eigenen Lösungen sollte man diese Voreingenommenheit sehr kritisch bewerten, da sie einen Wechsel zu einer anderen Plattform erschweren kann. Diese Form einer technisch begründeten Kundenbindung versteht man als Vendor lock-in, was nach Möglichkeit zu vermeiden ist.

Betriebskonzept

Für den Betrieb betrachtet man unterschiedliche Modelle.

On-Premise
Ursprünglich war hiermit der Betrieb im eigenen Rechenzentrum gemeint. Inzwischen verschwimmt durch Infrastruktur als Service das Verständnis von "eigenem Rechenzentrum" so sehr, dass allgemein eher der eigenverantwortliche Betrieb gemeint ist. Der Unternehmer ist Herr seiner Systeme und Daten und erlangt Unabhängigkeit bezüglich der Systeme, auf denen die Software läuft.
On-Demand
Bei diesem Model wird die Software vom Anbieter selber betrieben und Sie können sie als Software als Service nutzen. Da Sie bei diesem Model meist nutzungsabhängig bezahlen, kann das bei sehr wenigen Geräteverbindungen ein sehr wirtschaftliches Vorgehen sein. Bei sehr vielen Geräteanbindungen - jenseits der fünften Stelle - kommt man nicht ohne erheblichen Aufwand um den Betrieb durch den Anbieter herum.

Eine Empfehlung bezüglich des Betriebskonzepts ist nur in einem Projekt-Kontext möglich und muss auch die Voraussetzungen in Ihrem Unternehmen einbeziehen.

Voraussetzung für Digitalisierung und IoT?

Eine IoT-Plattform ist keinesfalls erforderlich um ein Digitalisierungsprojekt - mit oder ohne Internet of Things durchzuführen. Mit jedem IoT-Plattform-Angebot kaufen Sie auch Funktionen und Leistungen, die Ihr Projekt voraussichtlich nicht benötigen wird. Eine schlanke Eigenentwicklung kann daher weiter optimiert werden.

Bei einer Kostenbetrachtung darf man nicht aus den Augen verlieren, dass auch die Nutzung einer kommerziellen IoT-Plattform neben den Betriebskosten des Anbieters Entwicklungs- und Konfigurationsaufwände erfordert. Würde ein Angebot zu 100% Ihren Bedarf decken, würde man eher von einer Software als Service als von einer IoT-Plattform sprechen.